Scroll of Heroes (WiSe 10/11)

Charaktere, lustige Erlebnisse und die schönsten Tode.
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Kolja
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Scroll of Heroes (WiSe 10/11)

Beitrag von Kolja » 2. November 2010 15:52

So, hiemit eröffne ich schon mal unseren Scroll of Heroes Forumeintrag.

Bald werd ich schon mal unsere Helden vorstellen (und hoffentlich werden es auch diesmal welche).
GMing is like fishing. You cast out your hooks, wait for the hapless fish to bite, then beat them with a paddle.

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Simon
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Re: Scroll of Heroes

Beitrag von Simon » 24. November 2010 01:12

Un-Exalted: Die Niederen

Teil I: Hybris

Seid gegrüßt, liebe Leser! Sicher fragt ihr euch, wie es kommt, dass ein gutaussehender junger Mann meines Kalibers hier herumliegt, so ganz und gar festgeschnallt auf dem Experimentiertisch eines finsteren, alten Nekromanten, der im Nebenzimmer über einem in schwarzes Ziegenleder gebundenen Buch vor sich hinkichert.
Eigentlich fing die Woche ganz vielversprechend an…


Die Gefährdeten

Rascher Schritte eilte ich durch die mehr schlecht als recht von Butterlichtern erhellten Gänge des Klosters, in Richtung des selten genutzten taktischen Besprechungsraumes, in dem ich meine Reisebegleitung treffen würde. Mir war noch nichts Genaues über meine Aufgabe klar. Klar war nur, dass mir eine Abreise aus diesem Kloster zupass kam, in dem ich nun aus Mangel an Aufgaben seit mehreren Wochen ein spartanisches Dasein fristete: drei Mahlzeiten am Tag, die meisten davon kalt, Kachelöfen statt anständiger Fußbodenheizung, und eine Hundertschaft stoischer Glatzköpfe, nicht einmal eine direkte, konkrete Antwort geben könnte, wenn ihre unsterbliche Seele davon abhinge. Als der Abt mich aufforderte, dieser »Gastfeindschaft« durch einen ausufernden Botengang für das Kloster zu entfliehen, zögerte ich nicht merklich.

Es ging anscheinend darum, Exemplare einiger Schriften aufzutreiben, die der Klosterbibliothek verloren gegangen waren. Dafür hatte man eine sonderbare Truppe aufgestellt:
Zunächst und unübersehbar wäre da der Comte Edrad von und zu irgendwas, offenbar ein Dynast von der Insel, der kaum ein Wort Skytongue spricht und nicht den Anschein erweckt, als würden wir dadurch viel verpassen. Strahlende Rüstung und strahlender Ruf beiseite, scheint jedes Wort aus seinem Munde ein gebellter Befehl zu sein. Er kommt mit einem klaren Auftrag, uns zu führen. Nicht in einen Kampf, hoffe ich, auch wenn seine Augen oft in der Ferne ruhen, als blickten sie dort auf die Vision einer Schlacht, in weiter Zukunft… bis er wieder wie am Spieß Befehle brüllt.
Helena hingegen ist eher mein Fall. Sie scheint eine Waidfrau zu sein, das entnehme ich ihrer Ausrüstung und ihrer etwas direkten Art. Ihr Blick ist offen und ohne Umschweife, und sie ist von einer aparten Erscheinung, die ich »natürlich« nennen würde, wäre da nicht das tiefgrüne Haar offenbar haltanesischer Vorfahren.
Dann ist da Xena, ein stattlicher Krieger, dessen selbstbewusstem Lächeln man ansieht, dass ihn wenig Skrupel und Grübeleien davon abhalten werden, zu tun, was getan werden muss. So erahne ich in ihm auch einen Mann, der einfache Freuden zu teilen weiß, ohne sie mit langen Worten verjagen zu müssen.
Schlussendlich, ich hätte ihn in seiner uuunmöglichen Fellkleidung fast für den Klosterhund gehalten, begleitet uns Ceren, ein etwas heruntergekommener und leidlich gepflegter Mann, dessen mysteriös huschende Augen einen auf unheilvolle Weise gefangen nehmen und mutmaßen lassen, was sie schon alles gesehen haben mögen. Er scheint der Gelehrte unserer Runde zu sein, auch wenn er das gut zu verbergen weiß.
Ich, Ding Long (鼎竜), ein wohlgestalter Höfling und Lebenskünstler vom Blessed Isle, ergebe mich der Hoffnung, dass diese Reise nicht langweilig wird!


Whitetrack

Nach einer Woche mehr oder weniger anstrengender Reise (die eben geschilderten Eigenarten, Spleens und Ticks meiner Reisegefährten offenbarten sich erst nach und nach), kamen wir in Whitetrack an, wo wir ein Exemplar des Manuskripts »Die Taten des Tusan« suchten.
Der Ort war ausgestorben, wesentlich ausgestorbener, als ausgestorbene Käffer auf dem Lande sein sollten. Wir kehrten in einer Schänke ein und überzeugten uns davon, dass die Gäste nicht aufgrund des Biers ausblieben. Nach zwei Runden erklärte uns der Wirt, dass das Dorf kriegsgebeutelt sei, und dass obendrein des Nachts Leute verschwänden.
Ein Hinweis führte uns zu Kochi, dem jetzigen Eigentümer der Schriftrolle, die wir suchten. Er lebte allein in einem einstmals stattlichen Herrenhaus, das er nun als letzter Erbe einer Soldatenfamilie bewohnte. Er war schnell einverstanden, Ceren die Schriftrolle kopieren zu lassen und uns für zwei Tage als Gäste aufzunehmen.
Als er sich Abends davon schlich, folgte ich ihm gelangweilt, und stellte Erstaunliches fest: er übte sich in einer legendären Kampfkunst, die gegen Kreaturen der Dunkelheit gerichtet ist, im Golden Janissary Style. Darauf angesprochen erklärte er, dass sein Vater ihn diese Kunst nicht nur gelehrt hatte, sondern auch vermacht in Form einer seltenen Schriftrolle. Ich hielt es für eine gute Idee, die Gruppe davon zu unterrichten und eine Abschrift des Golden Janissary Style für uns und das Kloster zu sichern. Dafür versprachen wir Kochi, gegen die dunkle Bedrohung zu helfen, die das Dorf nachts heimsuchte und seine Menschen stahl.

Der Nachtwache entzog ich mich durch einen erfolgreichen Griff zur Pfeife, und erst nach Mitternacht wurde ich aus dem Schlaf gerissen: offenbar hatte man jemand entdeckt, der sich ins Dorf gewagt hatte.
Wir schlichen uns nach draußen und umrundeten die Person, bis Helena den ersten Pfeil abschoss. Nun war der Kampf offen, von allen Seiten drangen wir auf ihn ein… nun ja, von meiner Seite nicht so sehr, ich floh auf das nächste Dach, um den taktischen Überblick zu bewahren. Der half mir leider nicht viel, denn immer wieder veschwand unser Gegner vor unseren Augen, wie von lebenden Schatten verschluckt. Könnte das eine der sagenumwobenen Kampfkünste sein, die ihre Anwender für sterbliche Augen fast unsichtbar werden ließen?
Unsere Augen waren sterblich, aber zahlreich, und nach und nach drängten unsere Xena und Edrad ihn in die Defensive, Helenas Pfeile hagelten, bis er verletzt floh… uneinholbar schnell, und ohne Spuren im frischen Schnee zu hinterlassen. Wir hatten es hier nicht mit einem einfachen Menschen zu tun, sondern mit einem exaltierten Nekromanten.
Aus den Erzählungen der Dörfler ergab sich schnell ein Bild:
Der Nekromant entführte Menschen, um ihnen Runen in die Haut zu ritzen, durch deren Einfluss sie zu willenlosen Marionetten wurden. Diese schickte er dann aus, um weitere Menschen zu holen. Wir mussten ihm also rasch Einhalt gebieten, bevor unser Überraschungsmoment verloren und seine Armee genug gewachsen sein würde, dass er zum Gegenangriff ausholen könnte.
Comte Edrad formte mehrere Suchtrupps, die den Wald durchkämmen sollten, und stellte jedem Suchtrupp einen von uns voran. Da ich als Späher wenig zu gebrauchen bin, schloss ich mich dem Suchtrupp unter Ceren an. Das sollte ich aus anderen Gründen bereuen, als ihr denkt.
Bald waren wir tief in den Wald eingedrungen, und Ceren schien sich mehr von seinem Sinn für das Übernatürliche als den vorgegebenen Suchmustern leiten lassen. Schließlich wurden wir fündig. Ein kleines Häuschen ruhte inmitten einiger brach liegender Felder, die Fenster verrammelt, doch Rauch stieg aus dem Kamin. Da ich eine subtile, unauffällige Persönlichkeit bin, wurde ich auch ausgewählt, das Ganze vorsichtig aus der Nähe zu betrachten. Na gut, ich rannte einfach los.
So schlich ich um das Haus, bis ich einen Spalt fand, durch den ich hineinblicken konnte. Ein Mann, der Nekromant, beugte sich über einen Topf, in dem er etwas zuzubereiten schien. Offenbar trug er noch Verletzungen durch den Kampf in der gestrigen Nacht. Ich musste schlucken. Das Ziel war so nah und doch so fern. Wäre ich ein besserer Kämpfer, dann könnte ein gezielter Angriff den Tod unseres unmenschlichen Widersachers bedeuten. Vielleicht würde es keine Chance mehr wie diese geben. Wenn ich doch nur…
So in Gedanken muss ich eine unvorsichtige Bewegung gemacht haben, denn er hielt inne, blickte auf, und mich an:
»Du. Bist. Dran!«
Der Boden erwachte um mich zum Leben. Die Erde erbrach sich und spie Arme, Köpfe, ganze Leiber aus. Die Sklaven des Nekromanten kamen, um ihr Opfer zu fordern, um mich zu fordern!

Ihr seht, es ist eine Verkettung recht unglücklicher Umstände, die mich an diesen Tisch fesselt. Meine Freunde, ich habe eine wichtige Lektion gelernt, die ich mit euch teilen möchte.
Aber erst holt mich hier raus, verdammt, ich bin zu jung zum Sterben! Und viel zu unschuldig!
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Simon
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Re: Scroll of Heroes

Beitrag von Simon » 14. Dezember 2010 01:28

Teil II: Freunde mit Vorteilen


Sidonis und der Tod

Mein Peiniger hörte auf den schönen Namen Sidonis und war im Grunde ein höflicher wie zuvorkommender Peiniger. Eigentlich hatte ich nur vier Dinge an ihm auszusetzen:

1. Er bereitete ein Ritual vor, um mich zu töten und meinen Geist zu versklaven. Meine Hoffnung, dass ihm die Versklavung meines Geists allein genügen würde, erfüllte sich damit nicht.

2. Er hatte die unangenehme Angewohnheit, keinerlei scharfe Gegenstände in der Nähe seiner gefesselten Opfer aufzubewahren.

3. Seine Kleidung. Ich bin nun wirklich in keiner Weise vorurteilsbehaftet und würde nie den Fehler begehen, jemanden Anhand seiner Kleidung zu beurteilen. (Verurteilen schon, aber nie beurteilen!) Doch ein derartiges schwarzes Seidengewand findet man sonst ausschließlich bei soziophoben Erstsemestern der Heptagramm-Akademie, die sich noch so richtig böse vorkommen.

4. Er war stockhetero. Meine übliche Aufschubstrategie fiel damit flach.

Jeder dieser Punkte für sich wäre zu ertragen gewesen, doch deren Kombination verhieß mir eine dunkle Zukunft.

So versuchte ich ihn in ein Gespräch zu verwickeln, in dem er mir höflicherweise Punkt 1 erläuterte und mir viele persönliche Fragen stellte. Zu jeder Antwort legte er einen passenden Gegenstand in eine Feuerschale, inklusive meiner edlen Ebenholznunchucks. Mir schwante Übles.

Ich fragte nach seinem Kampfstil und seiner Herkunft, um Zeit zu gewinnen, doch er eröffnete mir keine Geheimnisse außer dem, dass er seine Künste von seiner Mutter gelernt habe. Er hatte auch meinen Kampfstil erkannt. Ob ich den wohl auch als Geist beherrschen würde? Ich antwortete wissensgemäß, dass meine Kunst tief im Ausgleich der eigenen mit der umgebenden Lebenskraft verwurzelt sei. Ob man mich nicht lieber am Leben lassen möge, fragte ich, man könne immerhin nicht sagen, ob meine Begabung auch für meinen Geist noch zugänglich sei.

»Das wäre interessant zu wissen. Wir werden sehen…« sagte er trocken, und steckte meine Sachen in Brand!

Sieben Stunden nach meiner Gefangennahme kehrten die Suchtrupps ins Dorf zurück, und man hielt Rat. Ceren berichtete von den Geschehnissen, doch Comte Edrads Meinung war klar.

»Er ist tot. Wir ‘aben einen Auftrag, und müssen weiter.«

Zum Glück ließen die anderen die Sache nicht auf sich beruhen, und schließlich einigte man sich, Nachts mit einer Auswahl der besten Jäger Whitetracks den Überfall zu wagen. Weiß der Himmel, warum sie Kochi nicht mitnahmen, er wäre ja bloß der ideale Verbündete in einem Kampf gegen Kreaturen der Finsternis gewesen.

Ich will mich jedoch nicht beschweren, denn bald schon umschlichen sie das Anwesen des Nekromanten (meine Kameraden, nicht die Kreaturen der Finsternis. Obwohl, kann ich‘s ausschließen…). Viele mehr oder weniger unbrauchbare Angriffspläne wurden gestrickt, bis der Comte sich auf seine Ausbildung besann und einen tauglichen Schlachtplan fasste. Dafür war es höchste Zeit, denn Sidonis begann bereits, mir ein Brandmal aufzudrücken. Mein empörter Schrei gellte durch die Nacht.

Von allen Seiten schlichen sich die Gefährten an das Haus heran, ungeschickt, doch leise genug, um die Zombies nicht zu wecken. Sidonis war wachsamer.

»War da nicht irgendwas?«

»Bestimmt nur ein Tier« versuchte ich zu beschwichtigen.

Das Fenster zum Ritualraum wurde eingeschlagen und Helenas Pfeil flog hinein, was jedoch kaum Beachtung fand. Vielmehr zog der Comte jede Aufmerksamkeit auf sich, der in voller Rüstung die Wand durchbrach und zum Angriff überging. Von draußen hallte das Grunzen der auferstehenden Zombies, die durch einen Pfeilhagel eingedeckt wurden. Sidonis sprang gewohnt behende aus dem Schussfeld und zog sofort seine Waffen.

Während der Kampf um mich tobte, lächtelte ich zufrieden auf den langen, scharfen Holzsplitter hinab, der selbstverständlich beim Einbruch der Wand genau in meine Hand gefallen war. Innerhalb von Sekunden war ich frei. Ich hechtete in die Ecke, in der meine verbleibende Ausrüstung lag, um mir… Mut zu holen.

Helena sprang nun selbst durch das Fenster und gab seitlich in der Luft liegend einen Schuss ab, bevor sie auf dem Tisch landete. Ich selbst warf einfach in blinder Verzweiflung Gegenstände in seine Richtung. Sidonis geriet immer mehr in Bedrängnis. Seine Klingen jagten wie ein Hagelsturm auf Edrad nieder und hätten wohl jeden gefällt, der nicht lachend in einer Vollplatte gestanden hätte. Der Gegenangriff war ein schnörkelloser Hieb, der die Eingeweide des Nekromanten erahnen ließ.

Fassungslos taumelte er zurück und wieder schien er aus unseren Augen zu verschwinden, wie in der vorigen Nacht! Nicht schon wieder, wir wollten ihn nicht wieder verlieren. Ceren stürmte durch die Tür und verbarrikadierte sie, das dumpfe Pochen dumpfer Zombies erschütterte sie immer wieder. Wir torkelten fuchtelnd durch den Raum, irgendwo musste er sein. Da, eine Kollision, und aus dem Nichts fiel er tot in meine Arme, offenbar verblutet durch seine tiefen Wunden.

Rasch umarmte ich meine Retter, ehe wir alles, was wir tragen konnten, unter die Arme packten und flohen.

Zwei einigermaßen wertvolle Bücher, Wurfsterne und ein Haufen kryptischer Notizen, mehr konnten wir nicht erbeuten. Von meinen Chucks war nur die Kette geblieben, ein Jammer. Ceren schlang sich gleich nach unserer Flucht Sidonis‘ schwarzen Silk-Armor um. Wer auch sonst. Den Leichnam des Nekromanten selbst hatten wir zurückgelassen, nachdem Edrad auf seine ausgiebige Zerstückelung bestanden hatte. Ich vermute, das ist so Prozedur beim Immaculate Order.

Der umliegende Wald war immer noch gefährlich, doch waren wir sicher, dass die Zombies in ihrem aktuellen Zustand ein deutlich geringeres Problem für die Menschen hier darstellen sollten (»Im-ho-tep… Im-ho-tep…« wurde abgelöst durch »Braiiiins… Braiiiins…«). Wir waren bereit für neue Taten, und machten uns auf den Weg nach Great Hill!


[So weit kam ich auf der Heimfahrt aus Berlin, morgen gibts den Rest.]
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Simon
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Re: Scroll of Heroes

Beitrag von Simon » 5. April 2011 21:13

Great Hill

Man möchte es kaum meinen, doch hinter dem provinzlerischen Namen von Great Hill verbirgt sich fast so etwas wie eine Stadt! Einige Sonderbarkeiten fielen uns jedoch auf: Soldaten aus Whitewall waren zahlreich in den Straßen unterwegs, und das Stadtbild wurde von einer riesigen Baustelle dominiert, an der ein Manse zu entstehen schien.

So staunend überrannten wir beinahe in dreieinhalb Dynasten, die unseren Weg kreuzten: ein attraktives Pärchen, ein älterer Kämpe in prunkvoller Jaderüstung und eine garstige Megaaxt. Sie erkannten uns ebenfalls als Vasallen des Realm, grüßten und kamen sogleich ins Gespräch. Bei dem Älteren handelte es sich um den großen Cathak Tiron vom Immaculate Order, der mit seiner Tochter Lisela und ihrem Mann Tepet Kisar unterwegs war, um Diener des Totenreiches zu jagen: sie zeigten uns Bilder von der bleichen Ashes Of Things Long Gone und ihrer gruftigen Brut. Einen konnten wir identifizieren, denn es handelte sich um den Nekromanten, der Whitetrack terrorisiert hatte.

Stolz erzählten wir von seinem Ableben, wenn Tiron auch Bedauern äußerte, dass man ihn nicht mehr über den Aufenthaltsort seiner Meisterin befragen konnte. Wie man's macht…

Immerhin waren sie so gütig, uns in ihr Hotel einzuladen. Das konnte ich natürlich nicht auf sich beruhen lassen, und wir luden die Dynasten unsererseits zu einem unverbindlichen Umtrunk ein. Lisela und Kisar willigten ein, und voller Vorfreude machte ich mich an die Vorbereitungen. Die beiden waren mir sehr sympathisch, obendrein als Dragonblooded einflussreich, und gerade bei einem spontanen Stelldichein sollte man bekanntlich nichts dem Zufall überlassen. So wählte ich für den Abend passende Dekoration, Musik, Speisen, reservierte ein großzügiges Séparée und griff sogar tief in mein Reisegepäck, wo für den Fall der Fälle ein paar erlesene importierte Freudenkräuter schlummerten, und zwar von einer Qualität, die selbst Klosterfeierlichkeiten zu retten vermochte!

So gerüstet wurde es tatsächlich ein anständiger Abend, und wir hinterließen einen guten Eindruck bei unseren Gästen. Wir, das waren vor allem ich und Helena, die sich sehr gut [st]an Tisar heranschmiss[/st] mit Tisar verstand und die ich spontan mit ins Séparée einlud, wo wir einander alle besser kennenlernen konnten. Xena und der Comte begnügten sich eher mit profanem Volk, während Ceren souverän in der Ecke saß und gekonnt in seinem Getränk rührte.

Entsprechend war am nächsten Tage auch die Qualität der Kater verteilt, doch es half nichts, wir mussten an unsere Aufgabe denken. Das nächste Schriftstück war bei einem gewissen Tennaeus, der die örtliche Mansebaustelle leitete. Entsprechend beschäftigt war er auch, sein Sekretär versprach uns einen Termin innerhalb von zweieinhalb Wochen. Über einen Vorarbeiter suchten wir direkteren Kontakt, dieser informierte uns dann darüber, dass die Baustelle jüngst mit mysteriösen Unfällen und Überfällen auf die Baustofflieferungen zu kämpfen hatte. Na, warum nicht.
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Re: Scroll of Heroes

Beitrag von Simon » 5. April 2011 21:21

Teil III: Sie ähnelten Helden

Wir zogen wieder in die Wildnis und konnten die Baustoffe schnell ausfindig machen, die von den Banditen nach dem Überfall in einer nahen Schlucht verklappt worden waren. Später machten wir auch das Camp der Banditen ausfindig, allesamt gut gerüstete und organisierte Söldner. Wir verfolgten einen ihrer Boten, um herauszufinden, wer in Great Hill ihre Kontaktperson sein mochte. Sie trafen sich im Walde vor der statt, und wir verfolgten den Kontaktmann bis zur lokalen Poststelle.

Während wir noch berieten, wie wir aus der dortigen Vorsteherin weitere Informationen erhalten sollten, war der Comte auch schon losgestiefelt und ließ die Postbeamtin aus dem Fenster baumeln. Er wurde abgeführt, zur Wache gebracht. Kurze Zeit später verließ er das Wachgebäude wieder unbehelligt mit einem Dutzend ihm zugeteilten Gardisten im Schlepptau, und wir schluckten ob der Macht seiner weit reichenden Kontakte.

Immerhin hatte er herausgefunden, wer die Auftraggeberin der Depeschen an die Banditen war, nämlich die örtliche Puffmutter… zumindest hätte ich das so geschrieben, wenn wir nicht gleich in das Freudenhaus geeilt und Zeuge ihrer überirdisch schönen Tanzvorstellung geworden wären. Als bekennende Verehrer und nebenbei Spione suchten wir ihre Garderobe auf, in die sie uns kokett hereinbat. Helena, die zuerst hindurchtrat, verschwand auf der Stelle! Konnte das Feenmagie sein?

Zögernd folgten wir und fanden uns nach dem Durchschreiten des Portals in einem fremdartigen Palast wieder, wo uns die Puffvorsteherin empfing, in deren Adern augenscheinlich Feenblut floss, wie uns Ceren später erklärte. Sie hatte uns ein Geschäft vorzuschlagen:

»Ich weiß, was ihr sucht. Sofern ihr diese Stadt unverrichteter Dinge verlasst, werde ich euch das Schriftstück besorgen, euch ferner diese vier magischen Gegenstände überantworten: ein magisches Schwert, einen Artefaktbogen, einen Seidenpanzer und eine Maske mit tausend Gesichtern. Natürlich dürft ihr auch niemandem von mir erzählen. Ansonsten findet euch hier der Tod. Wählt weise!«

Das war es, dachte ich mir, mit einem Comte d'Immaculate Order und demem Ziehkind eines Immakulaten in unseren Reihen stand jede Verhandlung mit Feen außer Frage. Ich spannte mich innerlich und stellte mich unmerklich kampfbereit, als sich Helenas Stimme eiskalt neben mir erhob:

»Wir willigen ein!«

Also wir und bitte was?!

»So soll es sein!«

Aha… wir schüttelten der Fee die Hände, steckten unsere Artefakte ein und eilten von dannen. Nach dem Verlassen des Bordells erklärte uns Helena, dass unser Versprechen sehr wohl verbot, über die Fee zu reden, nicht aber, über sie zu schreiben. So setzte sie gleich eine Depesche an den Immaculate Order in Whitewall auf, die von der Fee wenn auch nicht von unseren Geschäften mit ihr berichtete.

Wir konnten nur hoffen, dass die Fee aufgehalten wurde, bevor sie anstelle der sabotierten Manse ein Sanktuarium des Wyld errichten konnte. Auf jeden Fall ist dies nicht unsere Geschichte. Noch nicht.
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Re: Scroll of Heroes

Beitrag von Simon » 5. April 2011 22:49

Teil IV: Ein Schwert mehr oder weniger

Hier findet sich alsbald die liebliche Mär zweier Schwerter, die einander wenig ähneln, und eines edlen Rittermanns, dem das völlig egal ist.
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Re: Scroll of Heroes

Beitrag von Simon » 5. April 2011 22:51

Teil V: Eiskalter Krieg

Taros' Hauptstadt war ein Nest von etwa 5000 Einwohnern, regiert von König Haro, bei dem wir auch unsere Schriftrolle vermuteten. Nervosität lag in der Luft, und Gesprächsthema der Stadt waren die kommenden Friedensverhandlungen zwischen Taros und Iseos. Der jüngste Konflikt um eine Jademine im Grenzgebiet hatte die Länder wieder an den Rand des Krieges getrieben, was im Nachhinein die zahlreichen Truppen erklärte, die im Grenzgebiet patrouillierten. Man hatte dort Jade gefunden, und plötzlich fiel beiden Ländern wieder ihr auf jahrhundertelanger Geschichte gründender Anspruch auf die Mine ein.

Der Comte, ganz außer sich vor Nacktheit, stürmte sogleich zum Botschafter des Immakulatenordens, um Rang und Reichtümer zurückzuerhalten. Man kleidete ihn ein und schickte in seinem Sinne eine magere Brieftaube auf den tagelangen Flug durch Schneestürme und vereiste Landschaften.

Ein Unbekannter deponierte währenddessen ein schwertförmiges Paket in dem kleinen Bankhaus der Stadt, abzuholen durch Herrn Sumata. Nachdem so die gute Tat des Tages vollbracht war, suchten wir nach Ausgleich, trafen jedoch stattdessen auf offener Straße Cathak Tiron. Noch ehe wir uns trauten, nach dem Befinden seiner werten Tochter zu fragen, erklärte er unsere momentane Queste für zweitrangig und erklärte uns die hiesige Lage: Ashes Of Things Long Gone machte den Osten unsicher und der Orden würde die Truppen Haros brauchen, um sie zu bezwingen. Dessen Armee sei jedoch durch den Konflikt mit Iseos gebunden, kurzum: unser Auftrag sollte von nun an sein, die Friedensverhandlungen zum Erfolg zu führen. Mit diesen Worten übertrug er uns seinen Siegelring.


Auf dem Weg nach Gredditch passierten wir ein verlassenes Dorf. Die Spuren der geflohenen Einwohner führten ein Stück Richtung Gredditch, endeten jedoch auf einer Lichtung, auf der es klar zu einem Kampf gekommen sein musste.

Wir kehrten in einem nahe gelegenen Dorf ein. Die Dorfvorsteherin, eine selbstbewusste Frau Mitte 40, erklärte uns:

»Die armen Menschen wurden von Soldaten angegriffen. Niemand hat sie genau gesehen, doch es müssen Kämpfer aus Taros gewesen sein, die hier durch die Länder ziehen, plündern und Menschen versklaven! Doch was schimpfe ich, wir leben nur einmal. Seid meine Gäste und trinkt von dem guten Likör, der mich und dieses Dorf wohlhabend und noch jeden glücklich gemacht hat.«

Wir nahmen sie beim Wort, wenn wir ihr auch noch nicht völlig trauten.

Am nächsten Morgen folgten wir den Spuren des Überfalls weiter bis nach Gredditch, zu einem alten Minenstollen. Auch unsere düsteren Ahnungen bereiteten uns nicht auf den Anblick vor, der sich dort bot: Dutzende verstümmelter Leichen, Frauen, Kinder, Bauern, wurden hier achtlos auf einen Haufen geworfen und der Verwesung überlassen.

»All diese Toten, all dies Leid… beim Einbruch der Dunkelheit wird es hier wimmeln von rastlosen Geistern«, schluckte Ceren.

Doch es half nichts, wir mussten der Fährte weiter folgen, darauf brennend, die Reiter zu finden, die dies alles angerichtet hatten. Bald hatten wir zumindest deren Pferde gefunden, gehalten und gepflegt in einem Dorf, das jedoch offensichtlich von Bauern und niemandem sonst bewohnt war. Wir entschieden uns vorerst zur Umkehr.

Ein weiteres verlassenes Dorf durchkreuzten wir noch, in dem sich alle Gräuel des schwärenden Konflikts verewigt hatten: wir fanden Leichen von Tarosiern, manche gefoltert, die meisten offenbar aus ihrem eigenen Brunnen vergiftet, und zahlreiche namenlose Gräber. Ein grausamer Fund, der jedoch eine andere Handschrift trug als die Schandtat in der Mine.

Hängender Schultern kehrten wir zurück nach Gredditch. Dort waren bereits alle Parteien versammelt: Prinz Garo und seine Mutter aus Iseos, der Prinz von Taros und sein Berater. Die Atmosphäre war giftig wie die Brunnen des Umlands, auch zwischen den Begleittruppen, die in der Stadt quartiere bezogen hatten.

Später am Tag erschütterte eine Explosion den Frieden. Ein Gasthaus wurde gesprengt, und fast brach ein Kampf aus. Offenbar versuchte jemand, die Verhandlungen zu sabotieren, und wir investigierten.
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Re: Scroll of Heroes

Beitrag von Simon » 5. April 2011 22:53

Teil VI: Eiskalter Frieden

Dunkel. Schmerz. Vergessen. In dieser Reihenfolge.

Anderes will mir nicht in den Kopf, indes ich hier auf der Pritsche liege. Fahles Morgengrauen sickert durch die schiefen, hölzernen Fensterläden. In zwei Stunden wird die Hinrichtung statt finden.

Ächzend richte ich mich auf, Schmerzen in den gemarterten Muskeln, Schmerzen unter den zahlreichen, schmutzstarrenen Verbänden. Der Suff hat sein übriges getan, ohne mich vergessen zu lassen, wie es dazu kommen konnte.

Ich erinnere mich…


Ohne jeden Laut eilte ich durch das Dickicht, immer wieder einen Fuß, einen Ärmel, einen Blick von dem Reiter erhaschend, dem ich durch den Wald folgte. Meine Kameraden hatten sich wieder an dem Pferdedorf zur Wache niedergelassen, ich verfolgte indessen einen Verdächtigen, dessen Gespräch wir in Gredditch belauscht hatten.

Nach einiger Zeit kam er an eine Erdspalte, in der er verschwand. Vorsichtig folgte ich, und dahinter tat sich eine veritable Höhle auf, geräumig genug für die dutzenden von Söldnern, die darin lagerten. Das mussten unsere Übeltäter sein, und gerade brachen sie auf. Bei ihrem Ausritt erspähte ich ihren Anführer aus meinem Versteck, ein stattlicher Recke, dem König von Iseos wie aus dem Gesicht geschnitten. Ich eilte wiederum, meine Gefährten zu warnen.


In Gredditch mussten wir schockiert feststellen, dass inzwischen König T mit einem größeren Heer eingetroffen war. Wir stürzten in den Besprechungsraum, wo bereits alle versammelt waren. Der König wandte sich bereits zum Gehen. Sobald er durch diese Tür verschwunden war, konnte er sich mit seinen Generälen besprechen, einen Angriffsbefehl geben, alles könnte umsonst sein, die Verhandlungen gescheitert.

Wir setzten alles auf eine Karte: »Haltet ein. Wir haben Zeugen für Eure dunklen Umtriebe, einen Hochverrat zu verüben. Nehmt diesen Mann fest!«

Alles stand wie eingefroren, suchte die Augen von Prinz Garo, der mit sich rang, dann jedoch zögerlich nickte. Der König würde abgeführt.

»Ich hoffe ihr wisst, was ihr tut«, zischte er mir zu.

Die Befragung von Garo und der Königin war äußerst aufschlussreich. Offenbar hatte König T nicht nur eine Geliebte, eine ehemalige Sklavin, er versuchte auch seit Längerem, sich seine Frau mittels Anschlägen vom Halse zu schaffen. Dass er inzwischen einen Sohn hatte, war beiden neu, doch es passte alles zusammen: offenbar wollte er eine neue Linie gründen.

Wir erfuhren auch, wer die Geliebte des Königs war, es handelte sich um niemand anderen als die Brennerin, die uns auf dem Weg nach Gredditch Logis gewährt hatte. Alles machte Sinn, sie steckte mit dem König unter einer Decke, wir mussten sie nur finden, überwältigen und herbringen. Eine Aufgabe wie jede andere, dachte ich.

Die Sonne ging unter, als wir an ihre Türe klopften. Mit besorgtem Gesicht öffnete sie und bat uns herein. Während ich mich noch nach der besten Gelegenheit für einen Hinterhalt umsah, sprach Helena unumwunden: »Wir nehmen euch hiermit fest wegen Hochverrats, in Komplizenschaft mit König T und eurem Sohn!«

Schlagartig schlug ihr weicher Blick in blinden Hass um, sie hob ihr Küchenmesser und rannte auf Helena zu. Ich überließ mein Handeln ganz meinen geschulten Reflexen, ein Auftrag wie jeder andere. Wie tausende Male einstudiert hechtete ich nach der nächsten Waffe, einem Stuhl, und schleuderte ihn in ihre Bahn… und in diesem Moment war alles anders.

Unter einem lauten Krachen barst ihre Schulter, und sie ging zu Boden, den Blick voller Verzweiflung. Warum war sie anders? Viele Leute hatte ich sterben sehen in meinem kurzen Leben, und hatte nie eine Wahl. Wofür auch? Es waren Despoten gewesen, selbstherrliche Sklaventreiber und Drogenhändler, die nur ihr Stand und ihr Blut von kriminellen Halsabschneidern unterschied. Ob sie stürben, einerlei, das Personalkarussell würde sich weiterdrehen. Vor allemaber hatte ich nie Fragen, nie eine Wahl gehabt. Bis jetzt.

Vor uns lag ein schwer verletzter Mensch, die Angst im Gesicht.


Sie verweigerte die Aussage. Die Zeit lief uns davon, wir konnten nicht warten, bis die Folterknechte was auch immer aus ihr herausgequält hatten, in zwei Tagen würde der König wieder auf freiem Fuß sein. Verzweifelt erkundigten wir uns, ob wir mit ihr um das Leben ihrer Liebsten verhandeln könnten.

»Wohl kaum«, meinte Garo, »wenn die Anschuldigungen wahr sind, werden weder Vater noch Sohn ihrer Hinrichtung entgehen.«

Mir war klar, dass ich ihr dennoch das Angebot machen und ihr versprechen könnte, dass ihr Sohn durch ihre Aussage frei käme. Ich müsste lediglich lügen, ihr endgültig das Herz brechen.

War es das nicht wert, einen Krieg zu verhindern? Unseren Auftrag zu erfüllen?


Es war vollbracht, und wir verließen die Zelle, als uns schon Wächter entgegen kamen: »Der König, er ist geflohen!«

Musste man denn verdammt noch mal alles alleine erledigen? Helena und ich eilten seinen Spuren nach zu der Mine, wo uns ein schrecklicher Anblick erwartete. Die Toten ruhten nicht. Die Toten wandelten. Kontrolliert, in eine Richtung, und an ihrer Spitze der König, staksik und abgehackt wie eine Marionette. In die andere Richtung sahen wir eine Reiterin davon jagen, eine bildschöne, bleiche Frau auf einem geisterhaften Ross: Ashes Of Things Long Gone!

Wir eilten zurück nach Gredditch, wo die Armeen augenblicklich in Alarmbereitschaft versetzt wurden. Wir mussten Zeit erkaufen. Während Ceren ein Ritual zur Abwehr der Zombies vorbereitete, versuchten Helena und ich, die Armee abzufangen und aus dem Hinterhalt ihren Anführer zu erledigen. Leider blieb dieses Unterfangen erfolglos, so dass sie vor Morgengrauen über Gredditch kamen.

Die Schlacht war von epischer Unübersichtlichkeit. Sogar Prinz Garo kämpfte mit, wenn auch nicht als stolzer General an der Spitze seiner Truppen, sondern mittels beeindruckender Zaubersprüche. Wir konzentrierten uns dagegen ganz auf König T. Von den Dächern beschossen und bewarfen wir ihn, während wir uns gegen rastlose Geister verteidigten. Er kam dem Gefängnis näher und näher. Trieb ihn seine Sehnsucht dorthin?

Wir ließen es nicht so weit kommen. Kurz vor seinem Ziel sprangen wir ihn an und schlugen ihn schlussendlich nieder. Seine Hand erschlaffte, ausgestreckt nach der Tür, hinter der seine Geliebte und sein Sohn ihre Hinrichtung erwarteten.


Es ist soweit. Die gleichen Trommeln. Das übliche Geschrei. Das Personalkarussell dreht sich weiter. Warum ist heute alles anders?
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Re: Scroll of Heroes

Beitrag von Simon » 5. April 2011 22:55

Teil VII: Buße

Dies der wahrscheinlich letzte Brief, den ich aufsetze, hastig kritzele ich diese Notizen, während wir unseren letzten Angriff vorbereiten.

Davon konnten wir natürlich nichts ahnen, als wir noch heute Mittag in Dingsingen ankamen. Die Stadt wurde von einem (für provinzlerische Verhältnisse) prachvollen Palast überragt, den wir sogleich aufsuchten. Leider fanden wir hier nicht, wonach wir suchten, denn die legendäre Geschichte des Stadtgründers Dingsingens war offenbar unter den Funktionären, die wir zu sprechen bekamen, wenig bekannt. Auch der Besuch der hiesigen Reliquie, eines Kelches, dessen silbrig erquickender Inhalt übermenschliche Kräfte verleihen sollte und daher von der hiesigen Armee genutzt wurde, konnte uns nicht trösten.

Mehr Trost erhofften wir uns von den hiesigen, weithin gerühmten heißen Quellen. Auf dem Weg dorthin reckte Ceren den einen oder anderen Finger in die Luft und verkündete, er könne vage eine Manse spüren, zu der er uns führen wolle. Da er mit diesen Worten den Weg zum hiesigen Luxusbardell (Bad + Bordell = Bardell) einschlug, widersprachen wir nicht, und alsbald räkelten wir uns in den Armen äußerst professioneller Kurtisanen. Nicht professionell genug, muss man allerdings sagen, um Ceren von seinen sturen Meditationen abzuhalten. Als er endlich wieder in seinem Körper angekommen war, suchten wir im Gemischten Bad nach dem Fokus der Mystischen Essenz dieses Ortes, die Ceren zielsicher hinter der Tür der Eigentümerin des Établissements verortete.

Noch bevor ich murren konnte, dass ich das auch gerade noch hätte erraten können, trat sie durch die Tür. Sie war schön, sie war grazil, von überirdischer Lieblichkeit. Nicht zuletzt war sie die intrigante Puff-Fee von Great Hill! Ich riss Ceren (für Bardellverhältnisse) unauffällig in Deckung, bevor sie uns bemerken konnte.

Schockiert ließen wir Helena von ihrer Massageliege schmeißen und logen uns direkt zu der Eigentümerin des Bades durch. Sie empfing uns tatsächlich, und war sogar so gütig, sich vorzustellen. Eine liebliche Halbgöttin war sie, welche diese Manse von ihrem Vater, dem Stadtgott geschenkt bekommen hatte. Die Geschichte von der Intriganten Fee, die schon die Manse in Great Hill korrumpiert hatte, nahm sie uns zum Glück ab, und versprach ihre Unterstützung.

Im Laufe des Nachmittags informierten wir noch Tepet Kisar, der ebenfalls hier in der Stadt war und uns auftrug, die Fee dingfest zu machen. Ebenso suchten wir den Stadtgott auf. In seinem Tempel verbrannten wir die verfluchte Seidenrüstung als Opfer, was ihn wohl hinreichend beeindruckte, uns in seine Domäne einzulassen. Nachdem wir ihm die Problematik erklärt hatten, trug er uns ebenfalls auf, seiner Tochter gegen die Fee beizustehen. Immerhin versprach er uns dafür etwas Verlockendes: die wahre Geschichte um den Gründer der Stadt. Außerdem konnte er uns sagen, wo sich die Fee aufhielt, im Dingsviertel!

Eigentlich hätte man uns diesen Auftrag maximal einmal geben müssen. Der Verlust von Great Hill, von dem wir vor Tagen erfahren hatten, schien vor allem an Helena zu nagen. Ceren war ebenso entschlossen. Irgendwie hatte jeder von uns etwas gut zu machen.


Das Dingsviertel kannte nur ein Gasthaus, und schnell erfuhren wir, dass es sich hierbei auch um die Herberge der Gesuchten handelte. Sie war nicht zugegen, weshalb wir eine Falle vorbereiteten. Während meine Gefährten sich im Treppenhaus mit Eisenwaffen auf die Lauer legten, wartete ich mit meinem falschesten Schnurrbart im Schankraum, um zum rechten Zeitpunkt das Signal zu geben.

Durch dunstige Tabakschwaden sah ich schließlich ihre schlanke Silhouette in den Raum schweben. Höflich nickte sie mir zu, um rasch die Treppe hinauf zu eilen…

Was?! Verdammt!

»Eine Runde fürs ganze Lokal!« rief ich laut in Richtung Theke und sprintete nach oben. dort stand bereits ein verwirrter Ceren und Helena, die von einem großen, grünen Goblin beharkt wurden, von dem wir alle schwören konnten, dass er vorhin noch nicht dort war. Den nächsten für Helena bestimmten Axthieb fing ich mit meinen Chucks.

»Folge ihr, wir halten ihn auf«, presste ich hervor, und ohne ein Wort jagte sie die Treppe hinauf. In einem Satz positionierten wir uns in den Flanken des Gobbos und knüppelten ihn zu Feenstaub.

Ohne dem beschaulichen Glitzern Beachtung zu schenken, hetzten wir einen Stock auffwärts. Ein gestreckter Kick jagte die Zimmertür aus den Angeln und machte uns den Weg zum Fenster frei. Noch während ich es öffnete, erklangen Helenas eilige Schritte aus dem Treppenhaus, nebst ihrem Ruf: »Greifen! Greifen!«

Was für Greifen? Ich blickte in den Nachthimmel. Ach diese Greifen. Groß wie Ochsen, klauenbewehrt und zornig. Wenn es weiter nichts war.

Umsichtig eilten wir nach unten und zur Vordertür hinaus. Versteckt vor unseren fliegenden Widersachern verfolgten wir die Spur der Fee, die glücklicherweise schon aus einer Pfeilwunde blutete, bis in ein altes Herrenhaus, bis an eine Tür.

Sofort war spürbar, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Tür handelte. Von ihr ging eine unnatürliche Schwere aus, und die Zeit schien langsamer zu werden, je näher man ihr kam, bis unsere trägen Schritte davor zum stehen kamen. Das Reich der Fee. Wenn wir es jetzt nicht taten, würden wir es nie mehr tun.
Make it so!

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