Im Geheimdienst seiner Majestät (SoSe 2011)

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Im Geheimdienst seiner Majestät (SoSe 2011)

Beitrag von Arakano » 28. April 2011 11:56

Aus den Tagebüchern des Don Giovanni Leopoldo Marco Francesco de Ossoli, Visconte

[Übersetzung aus dem italienischen Original durch Professor Dr. Stammheimer, Wien 1923]

So fand ich mich denn, nach einer mehr als abenteuerlichen Reise, eines schönen Tages im sommerlich-verschlafenen Brügge wieder. Mein verehrter Leser wird sich erinnern, welche Erlebnisse ich auf dem Weg dorthin hatte, und wird hoffentlich wohlwollend auf meinen Bericht darüber in den vorherigen Bänden meiner Aufzeichnungen [leider verloren, Anm. d. Übers.] zurückblicken. Ich war noch nie mit Vorahnungen gesegnet, ansonsten hätte ich schon damals geahnt, dass mein größtes Abenteuer erst vor mir lag!

Ich war durch einen Brief des erlauchten Freundes am Kaiserhof, dessen Namen ich nicht zu nennen wage, an einen Major in Brügge verwiesen worden, Franz von Haster genannt. Mit dieser Mischung aus Empfehlungsschreiben und Anweisungsdepesche begab ich mich daher in den Ratskeller, eine gute Taverne jener Stadt. Auf dem Weg dorthin sah ich eine Vielzahl ausgemergelter Gestalten, Bettler, Vagabunden und dergleichen. Anscheinend hatte der gerade erst niedergeschlagene Aufstand gegen das erlauchte Haus Habsburg seine Folgen gehabt für die an sich prosperierenden Österreichischen Niederlande.

Ich stellte schon bald fest, dass ich nicht der Einzige war, der bei Herrn von Haster an jenem Abend vorstellig wurde. Ich wusste es damals noch nicht, aber jene Männer, die ich dort zum ersten Mal sah, würden während der kommenden Tage und Wochen meine Gefährten auf einer höchst geheimen und verwegenen Mission sein, die uns entweder großen Ruhm oder den Tod bringen musste.

Lasst mich denn kurz bei einer Beschreibung meiner zukünftigen Kameraden verweilen. Da war zunächst Graf Franz August von Schönborn zu Weyerburg, ein kaiserlicher Gardeoffizier von niederösterreichischem Adel. Prächtig sah er aus in seiner Uniform, und wenngleich uns für unsere Mission keine klare Hierarchie vorgegeben wurde, so sah mein geschultes Auge doch gleich, dass dieser Mann von Geburt, Ausbildung und Veranlagung zum Anführer unserer Schar bestimmt war.

Sodann traf ich einen weiteren Edelmann aus dem Wiener Hinterland, gekleidet in der gräßlichen französischen Mode jener Zeit - mon dieu! -, Freiherr Wilhelm von Antik, ein Mann, dessen etwas liederliches Äußeres mich mit einem gewissen Unbehagen erfüllte.

Der vierte Reiter in unserem Bunde war Jakob von Brecht, ein niederländischer Mann von niederem Adel, der sich jedoch wie ein Bürgerlicher gab und verhielt; bedauerlich, aber nun denn.

Doch waren wir nicht alle Männer von Geblüt. Als weitere Begleiter schlossen sich uns Gustav Steinbrett, ein biederer Soldat aus Freiburg, sowie Oskar Jäger, ein Wildhüter aus einem der zahllosen Hinterwäldler-Dörfer des Reiches an. Nun ja, so dachte ich mir, irgendwer sollte sich schließlich um unsere Stiefel kümmern können! Ich muss jedoch zugeben, dass ich diesen guten Burschen damit Unrecht tat, denn sie sollten sich durchaus auch außerhalb von Dienstbotenaufgaben als nützlich erweisen.

Herr von Haster, dessen roten Bart ich aus Höflichkeit übersah, wenngleich wir Italiener dergleichen als Zeichen eines Schurken ansehen, informierte uns über höchst aufregende Neuigkeiten: wie es schien hatte der französische König endlich beschlossen, sich nicht länger von seinen eigenen Untertanen herumschubsen zu lassen, und bereitete die Flucht seiner Familie aus Paris vor. Diese war in Bälde zu erwarten, und so gab uns Herr von Haster in aller gebotenen Eile und Kürze unseren Befehl: die königliche Familie auf ihrer Flucht in eine Royalistenhochburg nahe der Grenze abzufangen und in österreichische Lande zu führen. Dies sollte auf höchst-kaiserlichen Befehl geschehen, denn nicht nur war ihre Majestät voll von brüderlicher Sorge um seine Schwester, die Königin, er war auch unwillens, den König von einer Marionette der Revolutionäre zu einer Marionetter angeblich königstreuer Generäle gewandelt zu sehen. Nein, der einzige ehrenhafte Weg zu Freiheit und Würde des Königs von Frankreich war seine Überführung auf habsburgisches Gebiet! Soviel stand fest!

Gesagt, getan. Noch an jenem Abend brachen wir auf, und erreichten in Bälde die französische Grenze. Zwei Tölpel in königlicher Uniform, aber mit einer Schärpe in Blau-Weiß-Rot (die Farben der Revolution, wie sie mir erklärten, wenngleich die Rüpel keine Ahnung von ihrer Bedeutung hatten), ließen uns ungehindert passieren, nachdem wir ihnen eine Reihe von Lügengeschichten aufgetischt hatten. Kein Wunder, dass es mit Frankreich so weit gekommen war, wenn DAS seine Wächter waren! Die Kerle erdreisteten sich zudem, unflätige Worte über den König und seine Flagge zu äußern. Um Geheimhaltung bemüht, züchtigten wir sie dafür nicht, aber ich schwöre bei der Madonna, hätten sie ihre Zunge gegen die Erzherzogin und Königin erhoben, es wäre ihre letzte Lästerung gewesen!

Wir ritten weiter, die Nacht hindurch, und erreichten Lille am nächsten Morgen. Diese Stadt war anscheinend in ihrer Loyalität gespalten, wir sahen sowohl königstreue Soldaten als auch Mitglieder jener Schurkenbande, der "Nationalgarde", die jener Lafayette in Paris gegründet hatte.

Jakob von Brecht führte uns zu einem Gasthof, dessen Wirt ihm bekannt war, wo wir für einige Stunden einzukehren gedachten, um uns und unseren Pferden etwas Ruhe zu gönnen. Nun ja... RUHE fanden wir weiß Gott nicht!

Während Wilhelm von Antik sofort seine moralische Verrottung zur Schau stellte und mit einigen Metzen zu schäkern begann, schamlos seinen Geldbeutel schüttelnd, setzte ich mich in eine Ecke, um dieses mein Tagebuch zu führen. Bedauerlicherweise wurde meine Muße unterbrochen, als ich Graf von Schönborn an der Theke einen Trinkspruch ausbringen hörte, der, wenngleich einem edlen Motiv entspringend, nicht sehr weise gewählt war:

"Vive le Roy!"

Kaum ausgesprochen und das Glas mit Wein zum Mund geführt, als auch schon eine Axt neben dem Grafen in die Theke krachte. Ein grobschlächtiger Hüne, Holzfäller vermutlich, stellte sich neben von Schönborn und knurrte ihn an, dass man solche Worte hier nicht gerne höre. Hinter ihm bauten sich zwei weitere Burschen auf, einer mit einer Axt, der andere ein! Muskete haltend.

Ohne ihn eines Blickes zu würdigen, ganz Mann von Geblüt, erwiderte der Graf voller Verachtung: "Entferne er sich, Wicht!"

"Ich werde DICH mal entfernen!", brüllte der Wicht voller Wut, und schlug mit der stumpfen Seite seines Beils nach von Schönborn.

Alldieweil hatte sich Wilhelm von Antik, die Huren vergessend, hinter den Mann mit der Muskete geschlichen und sein Messer gezogen, welches er nun diesem in die Nieren zu rammen trachtete. Doch war er bemerkt worden, und konnte seinen schändlich-hinterhältigen Plan nicht durchführen. Vielmehr sah er sich plötzlich den aufgebrachten beiden Freunden des Holzfällers gegenüber! Und ehe er es sich versah, sauste eine Axt, dieses Mal mit der Schneide zuerst, auf die Schulter des Freiherrn nieder. Somit, sowahr Gott mein Zeuge ist, ward das erste Blut von der Hand unserer Feinde vergossen.

Zu diesem Zeitpunkt sah ich mich genötigt, meine Feder kurzzeitig aus der Hand zu legen und stattdessen meine Pistole zu ergreifen, mit deren Hilfe ich dem axtschwingenden Rüpel einen guten bleiernen Rat ins Ohr flüsterte, dass ihm vor Erleuchtung schier der Schädel platzte. Danach wandte ich mich wieder meinen Aufzeichnungen zu, doch der Lärm in der Kneipe störte mich höchst arg dabei, zumal als Gustavs Büchse knallte und den Raufbold mit der Muskete niederstreckte.

Der Rädelsführer wandte sich nun zur Flucht, aber der Degen des Grafen spießte ihn auf wie ein Sammler einen Schmetterling, woraufhin Freiherr Wilhelm ihm eine besonders gründliche Rasur verpasste, dass das Blut nur so sprudelte! Graf von Schönborn konnte gerade noch zur Seite springen, um seine Kleidung zu retten, so dass ein ernsthafter Schaden in diesem Scharmützel vermieden werden konnte.

Ließ man uns nun in Ruhe? Ich wünschte, es wäre so gewesen! Wir zogen uns bald darauf auf unsere Zimmer zurück, wobei Wilhelms Liebeslust doch etwas gekühlt war, vermutlich von der achso kühlen Klinge einer Axt. Immerhin erwies sich seine Hure auch im verbinden als geschickt.

Jakob war alldieweil beschäftigt damit, seinen Wirtsfreund zu beruhigen, als dieser uns voller Sorge die Ankunft einiger Nationalgardisten meldete. Er verlangte, dass wir diesen Rede und Antwort stehen sollten. Ich schlug Jakob als den umgänglichsten unserer Gruppe dafür vor, doch dieser war nicht gewillt, sich in "diese Affaire" wie er es nannte hineinziehen zu lassen. Graf von Schönborn war natürlich keineswegs unwillens, Rede und Antwort für sein tadelloses Verhalten zu stehen, sandte jedoch vorsichtshalber zunächst unser Fußvolk, also Oskar und Gustav, nach unten in die Schankstube zurück, um im Zweifelsfall Rückendeckung zu haben.

Ich beschloß, solange im ersten Stock zu bleiben: unser Fenster war zur Straße hinaus, und ich hatte dort bereits einige weitere Gardisten erspäht. Also nahm ich mir meine Büchse und meine Pistole, und begann sie zu laden...

Ich weiß nicht genau, was passierte, und damals noch weniger als heute, aber im Nachhinein habe ich erfahren, dass der Graf bereits im Treppenhaus von einem der Gardisten in ein Gespräch verwickelt wurde, was wohl etwas hitzig verlief. Jedenfalls hörte ich plötzlich Lärm, gefolgt von dem Ruf einer mir unbekannten Stimme, dies "müsse nicht mit Blut... ich meine mit Toten enden!".

Im selben Moment knallten unten im Schankraum die Schüsse zweier Musketen.

Mehr brauchte es natürlich nicht, um mich mit meiner Büchse ans Fenster zu bringen, wo ich die zwei Gardisten auf der anderen Straßenseite anvisierte. Im Hintergrund hörte ich den Grafen wütend brüllen, eine Drohung auf französisch, wenn ich mich recht entsinne, gefolgt von einem lauten Rumpeln. Später erfuhr ich, dass der Graf vom Gardisten heimtückisch mit dem Bajonett attackiert worden war, was ihm eine tiefe Wunde beifügte; darob unverzagt hatte von Schönborn jedoch seinen Säbel gezogen und den unseligen Kerl so wütend angeschrien, dass dieser vor der bloßen Präsenz des adeligen Offiziers zurückwich, die Waffe fallen ließ und rücklings die Treppe hinabfiel.

Währenddessen konnte ich deutlich sehen, wie die beiden Gardisten auf der anderen Straßenseite mit sich selbst haderten: sollten sie tapfer in die Taverne eilen, wo die Schüsse gefallen waren, oder bleiben wo sie waren? Schließlich fasste sich einer von ihnen ein Herz - woraufhin ich ihm eine Kugel durch selbiges jagte. Sein Kamerad schwang sich aufs Pferd und preschte davon, und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich ihn in meiner Hast mit der Pistole verfehlte. Nun ja!

Alldieweil hatte Jakob sich endlich entschlossen, einzugreifen. Er rannte in den Schankraum, stieß den verdatterten Treppenstürzer in die Arme seiner Kameraden und forderte sie auf, die Taverne schleunigst zu verlassen. Ich weiß nicht, welche meisterlichen Worte er fand, aber die französischen Hasenfüße rannten tatsächlich davon!

Nun war es für Jakob ein leichtes, den Gastwirt zu überzeugen, uns sein Fuhrwerk zu überlassen, auf welches wir unsere Verwundeten luden. Ich selbst schwang mich auf den Kutschbock, und mit HURRA! sausten wir los, hinaus aus Lille, Fuhrwerk, Reiter und Hunde!
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Re: Im Geheimdienst seiner Majestät (SoSe 2011)

Beitrag von Arakano » 12. Mai 2011 00:57

[Fortsetzung: Die Flucht aus Lille, oder: durch Wälder und Wildnis.]

So ließen wir also die wenig gastfreundliche Stadt Lille hinter uns, begleitet von drei Führern - oder, genauer gesagt, von zwei ortskundigen Führern, Pierre und Jorge, und einem Arzt, Doktor Ludwig Niehoffen, ein Deutscher, der seine neumodischen Ideen einem Studium in Frankreich verdankte. Wir sollten noch sehr froh sein, ihn als Begleiter gewonnen zu haben!

Wir eilten durch eine garstige Gegend, finstere Wälder, durch die eine morastige Straße führte, auf der wir mit der Kutsche trotz meiner besten Bemühungen nur langsam vorankamen. Immerhin erlaubte das reduzierte Tempo Dr. Niehoffen, auf der Kutsche eine eilige und doch erfolgreiche Behandlung unseres gräflichen Anführers durchzuführen.

Schon bald informierte uns Pierre, dass uns Reiter zu folgen schienen. Von Schönborn setzte eine grimmige Miene auf, und ich verstand ihn nur zu gut: er brannte darauf, den Verfolgern in offener Schlacht entgegenzutreten, aber seine Wunden waren noch frisch, und zudem wussten wir nicht, wie stark unsere Verfolger sein mochten. Waren es womöglich soviele, dass sie uns zu überwältigen konnten? Unwahrscheinlich. Vermutlich war es nur eine kleine Schar, die beim ersten Anschein eines Angriffs zurückweichen würde, um ihre Kameraden über unsere Fluchtroute zu informieren. Ein verhängnisvolles Risiko!

Der Wichtigkeit unseres Auftrags und damit der Angebrachtheit eines sorgfältigen Vorgehens den Vorrang über Ehre und Ruhm gebend - so schwer ihm dies auch fiel! -, gab der Graf den beiden Burschen Gustav und Oskar einige knappe Befehle; wir hielten an, und ließen die Kutsche zurück, der Graf nahm trotz Bedenken des Arztes auf seinem Pferd platz, und ritt mit uns weiter die Straße entlang, immer Jorge und Pierre nach. Alldieweil huschten Oskar und Gustav - letzterer mit einer Reservemuskete ausgestattet - in das Dickicht neben der Straße.

Wir ritten etwa eine halbe Stunde zügig weiter, bevor wir hielten und eine dringend benötigte Rast einlegten. Es vergingen einige Stunden, bevor unsere beiden wackeren Jäger uns einholten, die rumpelnde Kutsche und zwei erbeutete Pferde zu Fuß führend. Grinsend berichteten sie uns, wie unsere drei Verfolger bei der Kutsche gehalten hatten, um diese, sichtlich verwirrt, zu untersuchen, woraufhin die beiden munteren Gesellen ihre Büchsen hatten knallen lassen. Alle drei Feinde seien gestorben, ohne auch nur zu irgendeiner Form von Gegenwehr zu kommen; ein Pferd sei leider vor Schreck durchgegangen, aber sie hatten die Leichen im Walde verscharrt und führten uns nun wie gesagt zwei weitere Pferde und drei erbeutete Musketen zu. Nach einem knappen Lob des Grafen, das den Burschen die Brust anschwellen ließ vor Stolz, brachen wir erneut auf, nicht ohne unseren zwei erfolgreichen Nachhutlern einen kühlen Schluck und ein paar kräftigende Bissen zu reichen.

Eine Weile reisten wir recht ereignislos weiter, bis wir durch eine enge, wenngleich nur wenige Meter tiefe Schlucht fuhren, einen klassischen Hohlweg, wie er überall bekannt ist. Pierre ritt besonders weit vorne, gefolgt von Jorge und Dr. Niehoffen. Plötzlich schienen die beiden ein bewegtes Gespräch zu führen, woraufhin Jorge seine Pistole zog und in die Luft feuerte. Auf dieses Signal hin zeigten sich auf beiden Seiten der Schlucht über uns mehrere bewaffnete Banditen, in malerischer Kleidung und leider recht guter Bewaffnung mit guten Musketen französischer Machart. Alles in allem ein halbes Dutzend.

Von Schönborn zögerte nicht. "ZUM ANGRIFF!", brüllte er, und schwang sich aus dem Sattel, um mit erhobenem Säbel die Böschung zu stürmen. Neben mir sah ich Gustav sich mit zwei Musketen unter den Karren rollen, ebenso Jakob von Brecht, der jedoch anscheinend vor lauter Hast vergaß, sich eine Waffe zu sichern. Einmal mehr. Oskar zog seine Büchse und began sie zu laden, was ihm höchst zügig von der Hand ging. Wilhelm schwang sich ebenfalls vom Pferd, und presste sich in die Deckung einiger Sträucher, von wo er sich dann an die Räuber heranzupirschen begann.

Mir selbst schoß in diesem Moment einiges durch den Kopf - glücklicherweise nur Gedanken! -, und ich bin noch heute recht stolz darauf, wie schnell und klar ich unter einer so drohenden Gefahr denken konnte. Giovanni, so dachte ich mir, was kann Männer nur zu einer solchen Verdorbenheit wie Räubertum verleiten? Ganz einfach: die Not, womöglich gar der bittere Hunger! Wie leicht ist da Abhilfe zu schaffen, und wie leicht mag es sein, diese Männer wieder sanftmütig wie Lämmer werden zu lassen?

Gedacht, getan. Da meine Büchse ungeladen war, zog ich meine Pistole, und gab einem der Räuber etwas Warmes in den Bauch. Und was soll ich sagen, sobald er es empfing, verließen ihn alle feindseligen Absichten, und er wurde für den, zugegebenermaßen kurzen, Rest seines Lebens sanftmütig wie ein Mönch! Mag jedoch sein, dass ihm meine Hilfsgabe etwas schwer im Magen lag.

Wie aufgeschreckt von meiner großherzigen Geste eröffneten die Räuber das Feuer, wohl um zu handeln bevor der Kampfeswille auch sie verließ. Eine Kugel traf von Schönborn in den linken Arm, aber zum Glück führte er ja den Säbel mit der Rechten! Die anderen Kugeln gingen glücklicherweise daneben, ein oder zwei fuhren neben mir in den Kutschbock, was mich aber nicht davon abbrachte, meine Büchse zu greifen und zu laden.

Wir hörten vom Ausgang der Schlucht plötzlich ein wildes Wiehern, dessen Ursache uns erst später klar wurde: Jorge hatte seine zweite Pistole gezogen, um in den Kampf einzugreifen. Der gute Doktor aber, kein Mann des Schwertes, besann sich, dass er als Wundarzt doch zumindest ein Mann des Messers war, und rammte sein Scalpell höchst unchirurgisch in das verlockend üppige Hinterteil von Jorges Stute. Diese Dame, höchst ungebührlich operiert, warf ihren Herrn höchst unsanft ab und reterierte zu sichereren Gefilden.

Inzwischen erreichte Graf Schönborn den Böschungskamm, gedeckt von einem Meisterschuss Oskars, der einen weiteren Banditen niederstreckte. Von Schönborn, meines hehren Beispiels eingedenk, bemühte sich ebenfalls, den Hunger der Wegelagerer zu stillen, und bohrte einem von ihnen fürsorglich eine sättigende Säbelspitze in den Bauch, was diesen so sehr erfreute, dass er vor Freude wimmernd auf die Knie sank, seinem Wohltäter zu danken.

Doch der Mensch lebt nicht vom Brot allein! Beseelt von edlem Helfersinn schwang der Graf herum, und füllte einem zweiten Räuber das Herz mit edlem Stahl, dass ihm die bedauerliche Leere seiner Existenz genommen und die Dunkelheit seines Herzens dem hellen Licht des Tages geöffnet wurde!

Dem bewundernswerten Beispiel des Grafen folgend, öffnete auch ich einem Räuber das Herz, dass er des Druckes, der sicher schwer auf seiner Brust lastete, entledigen konnte. Ich gönnte ihm die Gabe meiner guten Kugel mitsamt einer gehörigen Prise Pulver von ganzem Herzen, denn ist nicht Barmherzigkeit am Besten, wenn sie mit Großmut gepaart ist? Der sechste Kerl feuerte währenddessen auf den guten Herrn von Antik, wurde dafür aber zu Recht von Gustav entgolten, dass ihm das Wechselgeld auf alle umliegenden Bäume spritzte.

Nun wandten wir uns Jorge zu, den inzwischen der gute Doktor Niehoffen mit Jorges eigener Pistole in Schach hielt. Auf unsere guten Vorhaltungen reagierte Jorge mit vulgären Schimpfworten, und bettelte im selben Atemzug um sein Leben, uns darauf hinweisend, dass es uns doch gar nichts einbrächte, ihn zu erschießen.

"Das stimmt wohl", erwiderte ich mit fester Stimme, und von Schönborn nickte beifällig. Wir beide dachten bei uns, dass dieser Wicht kein einziges Gramm guten Pulvers wert sei! So forderten wir ihn denn auf, seine Seele freimütig zu erleichtern, um uns gnädig zu stimmen. Er tischte auch gleich dick auf, von Frau und zwei Kindern, die ihn erwarteten, ebenso wie von mächtigen Freunden in einem nahegelegenen Stadtrat, die er uns gewogen zu machen versprach.

Alldieweil hatte von Antik die Räuber alle schon brav schlummernd oder wimmernd vor sich am Boden gefunden, und so blieb ihm nichts mehr zu tun, als sie alle porentief zu rasieren - der gute Mann war fürwahr ein sehr sorgsamer Barbier!

Da wir nun sicher waren, von Jorge alles von Belang gehört zu haben, hieß der Graf unseren guten Gustav, eine Schlinge zu knüpfen, und Oskar nach einer Eiche mit kräftigen Ästen Ausschau zu halten. Schon bald war auch unser lieber Jorge mit unserer großzügigen Hilfe aller irdischen Sorgen enthoben, so dass er vor Freude einen gar übermütigen Tanz vollführte, der uns einmal mehr die große Lebensfreude der Franzosen ins Gedächtnis rief. Wir winkten ihm noch freundlich zu, bevor wir weiterzogen - einige Pfund Pulver und mehrere Musketen besser ausgestattet als zuvor. Großzügig waren sie nämlich auch noch, diese schlafenden Engel der Wälder von Nordfrankreich!

Wir verbrachten die Nacht nicht weit von jener Schlucht, denn unser Werk der Nächstenliebe hatte uns redlich erschöpft. In der Nacht beobachteten unsere Wachen drei Reiter, die durch den Wald huschten und aus der Gegend der Schlucht mit einem Bündel über dem Sattel zurückkehrten. Rätselhaft, aber nicht unsere Sorge.

Am Morgen erwachten wir zu dem anheimelnden Duft von Rauch in der Luft, und mit diesem guten Vorzeichen - nach etwas Frühstück - zogen wir weiter und ließen den Wald endlich hinter uns, als wir auf eine etwas größere Straße stießen, wo sich uns die Quelle des Rauches präsentierte...

[Fortsetzung folgt!]
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Re: Im Geheimdienst seiner Majestät (SoSe 2011)

Beitrag von Arakano » 25. Mai 2011 16:09

[Fortsetzung: St. Quentin, und insbesondere das dortige Gefängnis]

Es war ein Anblick des Grauens: was einst eine gemütliche Herberge gewesen sein musste, war nur noch eine rauchende Ruine, Leichen überall, darunter auch Frauen. Blanke Barbarei! Anscheinend war unsere Reduktion des Banditenproblems ein bloßer Tropfen auf den heißen Stein gewesen. Eine Schande, dass uns unser höchst wichtiger Auftrag davon abhielt, auf Banditenjagd zu gehen. Eine größere Schande, dass sich einige meiner Kameraden nur wenige Tage später in der Lage sahen, Zeit und Energie für weit tollkühnere Heldentaten aufzuwenden... aber eines nach dem anderen.

Wenig später erreichten wir ein nahegelegenes Dorf. Unser guter Doktor Niehoffen ließ sich nicht davon abbringen, Erkundungen über das zerstörte Gasthaus einzuholen. Er hatte nur wenig Erfolg, aber schließlich gelang es ihm, das abweisende Misstrauen wenigstens einiger Dorfbewohner zu überwinden, indem er die Wunde eines alten Mannes versorgte. Eine Schußverletzung. Anscheinend herrschte eine regelrechte Banditenepidemie in Nordostfrankreich!

Dies wurde langsam besorgniserregend. Ich hatte keinen Zweifel daran, dass wir mit jedem noch so heimtückischen Banditenpack fertig werden würden, aber jeder Kampf kostete uns Zeit, Munition und, bedauerlicherweise, oftmals auch Blut. Schon jetzt sah unser ehrenvoller Anführer aus wie ein Flickenteppich, wie lange noch würde seine beachtliche Zähigkeit solchen Beanspruchungen zu trotzen im Stande sein?
Ich erinnerte mich an die letzten Worte des elenden Verräters Jorge: "Ihr werdet überall angegriffen werden!", hatte er geheult, halb Warnung, halb Fluch. "Wilhelm, such bei den Räubern nach mehr Kugeln und Pulver!", war damals meine Reaktion gewesen. Inzwischen jedoch fragte ich mich, ob in diesem vermaledeiten Landstrich nicht eher Pulver und Blei als Räuber ausgehen würden!

Wir eilten weiter, unsere Aufgabe drängend in unser aller Gewissen. So kamen wir bald darauf in ein Provinzstädtchen - weit kleiner als Lille, aber auch keineswegs ein bloßes Dorf. St. Quentin, so hieß es. St. Quentin, mögest du verrotten und in der Hölle schmoren!

Während ich mir die malerische Ortskirche anschaute, ritt Dr. Niehoffen zur Garnison, um von den Aktivitäten der Banditen Bericht zu erstatten. Sichtlich erschüttert berichtete er uns nachher, der Offizier mit dem er sprach habe ihn höchst gelangweilt zugehört, und danach nur mit den Schultern gezuckt und Dr. Niehoffen gewarnt, dass es gefährliche Zeiten seien, in denen gerade Reisenden leicht schreckliche Dinge zustoßen könnten. Nun, dazu kann ich nur sagen, dies galt auch für Banditen. Schreckliche Dinge, fürwahr... oder ist es unangebracht, so von seinen Kameraden zu reden?

Ich begleitete sodann Jakob von Brecht zum Markt - eine armselige Angelegenheit, mit wenigen kümmerlichen Ständen und noch weniger Münzen im Umlauf -, wo er hoffte, einige unserer erbeuteten Waffen sowie unseren Wagen und eventuell das eine oder andere überzählige Pferd gewinnbringend zu veräußern. Natürlich war an so etwas angesichts der offensichtlichen Armut nicht zu denken - bis wir plötzlich auf einen überraschend wohlhabenden Mann stießen, dessen Stand ausgezeichnet ausgestattet war, und der uns sofort anbot, alle Waffen, Pferde und Karren zu kaufen, die wir loszuwerden wünschten. Als ich mich vorsorglich erkundigte, woher er denn das dazu nötige Kapital habe, erwiderte er, seine Familie betriebe schon seit Generationen weit effizienter Ackerbau als andere.

Ackerbau. Natürlich. Jeder weiß ja, dass nichts so schnell Geld einbringt wie Rüben und Kohl! Wir konnten uns jedenfalls denken, welcher Art die "Ernte" dieses feinen Kerls war, und da wir bei näherer Überlegung eigentlich gar nicht genug Waffen und Pferde haben konnten, entschieden wir uns, nur den Karren zu veräußern.

Die Gruppe ging nun erst einmal auseinander, um diverse Besorgungen zu erledigen, ein Bad zu nehmen oder ähnliches. Wilhelm "der Barbier" von Antik und Gustav Steinbrecht, der jedem Adligen zur Gefolgschaft geneigt war, hatten währenddessen den naheliegenden Schluß getroffen, dass die Garnison des Ortes involviert in das Banditentum der Region war. Weniger naheliegend kam mir dagegen ihr Entschluß vor, diesem Treiben mit einem gewaltigen Schlag ein Ende zu setzen: sie planten, die Kaserne zu infiltrieren und die dortige Pulverkammer mitsamt den ungefähr hundert Mann Besatzung in die Luft zu jagen.

So sehr mir die Vorstellung gefiel, den Herren Brandschatzern ein kleines Feuerwerk zu stiften, so schien mir das Risiko doch unangemessen. Leider weigerte sich Wilhelm, Vernunft anzunehmen, und mit dem Grafen abwesend in der Badestube fehlte die Möglichkeit, ihm solch ein eigenmächtiges Vorgehen schlicht zu verbieten. Insofern entschied ich, ihnen zumindest zur Seite zu stehen, hoffend, ihnen möglicherweise einen Rückzug zu sichern, den sie schneller benötigen mochten als sie dachten.

Während ich die Torwache ablenkte, gelang es Wilhelm von Antik tatsächlich, über die Mauer und ein Fenster in die Garnison zu gelangen, und auch Gustav zog sich auf die Mauer hinauf. Ich schlenderte alldieweil gemächlich zur gegenüberliegenden Weinstube, wo ich abwartete. Und wie zu erwarten lief alles herzlich schlecht.

Der Graf erreichte, frisch gebadet, die Taverne, zusammen mit Dr. Niehoffen, wo ich ihnen Bericht erstattete; ich war kaum damit fertig, als aus Richtung der Kaserne ein Schuß knallte.

Während Doktor Niehoffen erbleichte, schnellten von Schönborn und ich von unseren Sitzen und eilten zum Garnisonseingang.

"Aber guter Mann, was ist denn los?", fragte ich den Wachposten, der ebenso aufgeschreckt war wie wir. "War das ein Schuß?"

Die Meinung des Mannes sollte ich nie erfahren, denn von diesem unbemerkt ließ von Schönborn seinen Säbel aus der Scheide und in den Magen des Wächters gleiten. Etwas zu scharf für seine Verdauung, befürchte ich!

Während wir fieberhaft überlegten, wie wir unsere Kameraden am Besten heraushauen könnten, entdeckten wir, dass zwei Soldaten aus der Weinstube kamen, die sich zuvor in einem Hinterzimmer versteckt haben mussten. Gleichzeitig eilten einige Soldaten zum Tor der Hauptbarracke und nahmen dort Feuerstellung ein.

"Kümmer dich um die Trunkenbolde!", knurrte der Graf, und sein Ton duldete keine Widerrede. Eiligst griff ich nach unten zur Muskete des toten Wachpostens, hoffend, diese geladen vorzufinden - Eureka! Die Büchse krachte laut und herzerfrischend, und ich verschaffte einem der beiden Gasthausbesucher einen erstklassigen Anspruch auf Invalidenrente - bedauerlicherweise fürchte ich, das er diesen Vorteil eines zerschossenen Beines nicht mehr auskosten konnte, da er, ganz zuvorkommender Franzose, eiligst verblutete. Sein Kamerad zog sich in die Deckung des Gasthauses zurück, so dass ich einen Bajonett-Sturmangriff durchzuführen genötigt war, und dass unter feindlichen Feuer! Ich kann jeden Soldaten, für den dies zum täglich Brot gehört, nur bedauern.

Währenddessen beschloß auch Graf von Schönborn, einen Angriff durchzuführen - gegen vier wohlbewaffnete, ihn erwartende Soldaten, mit Verstärkung in ihrem Rücken! Ich weiß beim besten Willen nicht, wie teuer sein Angriff die Franzosen zu stehen kam, aber er selbst erhielt zumindest zwei weitere Wunden, und wäre sicherlich auf jenem tristen Kasernenhof einen Heldentod im Pulverhagel gestorben, doch in jenem Moment erreichte eine Gruppe Reiter den Kaserneneingang, und einer von diesen rief laut, dass im Namen des Rates von St. Quentin die Gewalt eingestellt werden solle.

Von Schönborn, kühl und beherrscht als wäre es ein Sonntagspicknick statt einer Schießerei, antwortete, sobald die Kugeln schwiegen: "Seid Ihr königstreu?" Als ihm dies versichert wurde, erwiderte er, dass er sich ergeben würde, seiner Männer zuliebe - denn da wir trotz des Kampfes im Hofes noch nichts von Wilhelm und Gustav gehört oder gesehen hatten, befürchteten wir das Schlimmste.

Ich persönlich entschied rasch, dass ich meinen Kameraden gefangen weniger nützlich wäre als frei, und drückte mich schleunigst in das Gasthaus hinein, wo ich den zweiten Soldaten beim Nachladen störte, und ihn mit Höflichkeit und Muskete dazu aufforderte, mir den Weg zum Hinterausgang zu weisen.

Fürwahr eine brenzlige Lage, in der wir uns nun befanden, verstreut und zum Teil in Feindeshand!
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Re: Im Geheimdienst seiner Majestät (SoSe 2011)

Beitrag von Arakano » 31. Mai 2011 20:15

[Okay, GANZ EHRLICH? Ich geb's auf. Ich hatte den nächsten Eintrag fertig geschrieben, mich vorher auch brav angemeldet - aber dann loggte mich unser geliebtes Forum aus, und zurück zu meinem fertigen Text kam ich auch nicht mehr, anders als bei anderen Foren die ich kenne.

Also echt. Ich könnte kotzen. :evil: ]
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Re: Im Geheimdienst seiner Majestät (SoSe 2011)

Beitrag von Arakano » 8. Juni 2011 00:14

[Okay... nächster Versuch...

Fortsetzung: Ein brennendes Verlangen nach Freiheit]


Da saß ich also, in einer schäbigen französischen Taverne mit schlechtem Essen und sauren Wein zu teuren Preisen, mit zwei Hasenfüßen und einem Waldschrat. Wenn es mir mit diesen Kameraden gelingen sollte, meine nobleren Gefährten zu befreien, so musste ich schon all meine Raffinesse einsetzen.

Doktor Niehoffen entschuldigte sich noch während des – miserablen! – Frühstücks, er sagte, er habe einige Dinge zu erledigen. Ich hatte wenig Interesse ein Einzelheiten; er würde uns nicht verraten, das würde ihn selbst zu sehr in die Aufmerksamkeit des Stadtrates rücken, und falls er sich absetzen wollte, so war mir dies in jenem Moment auch egal. Wie unrecht ich dem guten Doktor damit tat, und wie nützlich er sich noch erweisen sollte, ahnte ich damals nicht!

Ich entsandte zunächst Oskar, das Gefängnis auszuspionieren – ich hätte es natürlich bevorzugt, dies selbst zu tun, fürchtete aber, dass man mich erkennen könnte. In weniger als einer Stunde kehrte Oskar zurück, und erstattete mir ausführlich Bericht. Mochte er auch kein besonders heller Kopf sein, so hatte er zumindest scharfe Augen und eine gründliche, wenngleich bedächtige Arbeitsweise. Ich fertigte mit seiner Hilfe eine grobe Karte des Gefängnisses nebst Umgebung an, und begann mit der Planung.

Das Gefängnisgebäude war gleichzeitig die örtliche Gendarmerie, mit Kerkern im Keller und den Räumen der Stadtwache im eigentlichen Gebäude. Es würde daher von elementarer Bedeutung sein, eine Ablenkung zu schaffen, um die Wachen aus dem Gebäude zu locken und ungestört unsere Gefährten befreien zu können. Dies erschien mir weit vielversprechender, als Heimlichkeit oder rohe Gewalt zu erproben.

Und nichts war ablenkender als ein kleines Feuerchen.

Kaum hatte ich diesen Entschluss gefasst, als plötzlich Doktor Niehoffen zurückkehrte. Wortlos setzte er sich, und schob eine Flasche zu mir herüber. Auf meinen fragenden Blick hin sagte er: „Ich gehe davon aus, dass Sie Ihre Freunde zu befreien versuchen werden. Nur zu – aber bitte versuchen Sie zumindest, unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Das hier sollte dabei helfen.“

Ich erkundigte mich, was denn die Flasche enthielte. Der Doktor lächelte.

„Chloroform“.

***

Der beste Ort für das geplante Ablenkungsmanöver war der Kutschenschuppen hinter dem Rathaus, welches wiederum recht nah neben dem Gefängnis stand. Da Brandstiftung eines Edelmannes nicht würdig war, andererseits aber eine recht gewaltfreie Tat war, ersuchte ich Doktor Niehoffen und Jakob von Brecht, diesen Teil des Ausbruchplans zu übernehmen, worin sie nach etwas Grummeln und Murren einwilligten.

Während die beiden Brandstifter ihrer Aufgabe nachgingen, kauerten Oskar und ich in einem schattigen Hauseingang, in Sichtweite der Gendarmerie. Ich wartete ab, bis ich das Flackern von Flammen hinter dem Gefängnis ausmachen konnte, bevor ich zur Tat schritt und laut „FEUER!“ rief, in Richtung des Gefängnisses.

Mein Plan funktionierte makellos, die Wachen strömten nur so hinaus, um beim Löschen zu helfen. Es gab nur ein kleines Problem... ein herbeieilender Offizier erblickte Oskar und mich, und forderte uns herrisch auf, ihm zum Löschen zu folgen. Natürlich war es mir ein Leichtes, nach nur wenigen Schritten unauffällig in die Schatten zu gleiten und Richtung Gefängnis zu schleichen – leider war Oskar weniger geschickt. Oder war er nur zu sehr ans Befolgen von Befehlen gewöhnt?

Jedenfalls stand ich plötzlich allein da, und wie aufs Stichwort tauchte eine Wache vor mir auf, die anscheinend trotz des Feuers ein Auge auf die Tür der Gendarmerie hatte. „Heda, Bürger, das Feuer ist dahinten!“, fuhr er mich an. Ich setzte mein freundlichstes Lächeln auf und erwiderte: „Sehr wohl, mein Herr, aber bitte, der Rauch zieht doch schon bis hier – sie sollten sich vorsehen! Hier, binden Sie sich das hier vor den Mund“ – und damit hielt ich ihm hilfsbeflissen ein feuchtes Taschentuch hin. Ehrlich erfreut dankte er mir, vergrub seine Nase in das Tuch – und ging, chloroformbeseelt, zu Boden.

Ich zog den bewusstlosen Gendarm in einen schattigen Winkel, dann huschte ich in das Gebäude, wo ich den Wachraum erfreulich leer vorfand. Meine Freude ließ jedoch stark nach, als ich die Treppe zum Keller hinabstieg und plötzlich vor einer soliden Eichentür stand, hinter der Schnarchen ertönte.

Ich versuchte vergebens, die Tür mit Hilfe des vom chloroformierten Gendarm erbeuteten Schlüsselbundes zu öffnen. Mein einziger Erfolg bestand darin, die Wache hinter der Tür zu wecken, die sich verschlafen erkundigte, wer denn da sei.

„Ich bin es, Pierre! Der Chef sagt, die Gefangenen sollen zur Hilfe beim Löschen eingesetzt werden!“

„Was? Das ist doch Unfug! Und welcher Pierre!“

„Komm halt her und guck, du Narr! Aber beeil dich!“

In der flackernden Beleuchtung hatte ich leider übersehen, dass die Tür ein Sichtfenster mit Eisengitter hatte, so dass die Wache keineswegs wie erhofft die Tür öffnete, sondern lediglich durch das Fenster stierte. Sobald ich ihr bleiches Gesicht ausmachte, hob ich meine Pistole und feuerte ich einen freundlichen Willkommensgruß auf es ab, der jedoch in meiner Hast nur das Ohr der Wache streifte – ein chirurgisch sinnvoller Eingriff, angesichts der Segelohren des armen Kerls, aber dankbar war er mir dennoch nicht, sondern brüllte um Hilfe!

Die Hilfe traf auch prompt ein – glücklicherweise nicht nur für ihn! Ich hörte Schritte auf der Treppe und stellte mich neben den Ausgang derselben, Bajonett bereit. Eine Wache kam herab, ich stach nach ihm, doch der Bastard war flink und wich zur Seite; um mich von einem zweiten Stoß abzuhalten, packte er den Lauf meiner Muskete, und ich spürte sofort, dass dieser Bursche nicht nur flink, sondern auch stark war, und dass ich meine Waffe nicht frei bekommen würde. Triumphierend grinste er mich an. Ich zuckte die Schultern und drückte ab, und glaubt mir, weder Stärke noch Flinkheit helfen gegen eine Kugel in die Brust. Unangenehme Sache, das!

Der zweite Gendarm, der gerade um die Ecke bog, sah seinen Kameraden stöhnend zu Boden gehen, wandte sich um und floh. Allerdings kam er nicht weit: er prallte unversehens gegen Oskar, der sich endlich abgesetzt hatte und nun hinter ihm die Treppen herabpirschte. Oskar schwang sein Bajonett gegen den Franzmann, dieser schlug mit seiner Muskete zurück, und angesichts ihres unbeholfenen Agierens wurde mir sofort klar, dass ich kostbare Zeit verschwenden würde, wenn ich es diese beiden Treppenhelden ausfechten lassen würde. Ich beschloss, Oskar gegen seinen Feind mit perforieren von dessen Nieren durch bajonettieren zu assistieren. Gedacht, getan! In meinem Eifer bemerkte ich kaum, wie die Wache im Keller auf mich feuerte, glücklicherweise daneben.

***

Währenddessen hatte sich Jakob von Brecht dem Geschehen ebenfalls angenähert, und wendete, wie ich später erfuhr, eine ernsthafte Krise ab. Die Abwesenheit des postierten Wächters war einem vorbeieilenden Offizier der Wache aufgefallen, der sich zur Gendarmerie bewegte, um die Sache zu überprüfen. Als er Jakob vor der Tür stehen sah, fragte er, wo sich der Wachposten befände.

„Die Wache, die hier stand? Ach, der Mann ging vorhin mit einer Frau dort hinunter, zur nächsten Taverne, er murmelte etwas von einer perfekten Gelegenheit oder so zu seiner Begleiterin...“

Ich wusste nur zu gut, wie überzeugend Jakob sein kann; der Offizier entfernte sich mit aufbrausender Empörung!

Alldieweil war Doktor Niehoffen Oskar gefolgt. Als ich ihm die Lage schilderte, forderte er den Wachmann auf, sich zu ergeben, während er gleichzeitig mein erstes Opfer zu verbinden begann. Die Antwort war ein derart wüstes Wort, dass ich es hier nicht wiedergeben will, aber selbst der gute Doktor verlor darüber seine Geduld. Mit grimmigen Blick ging er zur Tür und demonstrierte mir, wie nützlich ein Mann mit dem Geschick eines Chirurgen und dem Wissen eines Chemikers sein kann, indem er das Schloss kurzentschlossen mit etwas Schwarzpulver aufsprengte. Diesem Knall folgten zwei weitere, als die Wache und ich das Feuer auf einander eröffneten, sobald die Tür aufschwang.

Niehoffen, davon unbeeindruckt, stürmte zu der im Nachladen begriffenen Wache, und bewahrte sie mit gezielt applizierten Chloroform vor dem Schicksal ihrer Kameraden. Ich muss sagen, dies kaltblütige Handeln des Doktors unter Feuer erhöhte meinen Respekt für ihn beträchtlich! Unverzüglich befreiten wir nun unsere Kameraden, die sich zunächst zur Asservatenkammer begaben, um ihre Waffen wiederzuerlangen; währenddessen lenkte von Brecht zwei weitere Wachen ab, während Oskar eine dritte gefangen nahm.

Bald darauf fanden wir uns alle vor der Gendarmerie wieder, wo eine größere Anzahl Pferde – Oskar hatte die Pferde im Kutschhof bei den Löscharbeiten „requiriert“, wie er sich ausdrückte, so dass sich unsere Reittiere einmal mehr vermehrt hatten. Vielleicht hatte ich den Jägersmann ebenso unterschätzt wie den Doktor?

Ohne länger zu verweilen gaben wir unseren Pferden die Sporen und preschten Richtung Stadttor. Als wir es gerade durchquert hatten, schrie Jakob von Brecht plötzlich erschrocken auf, so dass wir uns alle besorgt nach ihm umsahen, unsere Pferde zügelnd.

„Was ist denn?“, rief der Graf aus.

„Na, jetzt haben wir doch tatsächlich gegen die Sperrstunde verstoßen!“, erwiderte Jakob, nahezu aufrichtige Bestürzung in seiner Stimme.

Lachend gaben wir unseren Pferden erneut die Sporen, und ließen das unwirtliche Städtchen St. Quentin hinter uns...

[Nicht ganz so gut wie mein erster Entwurf, aber... wie auch immer!]
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Re: Im Geheimdienst seiner Majestät (SoSe 2011)

Beitrag von Arakano » 22. Juni 2011 10:56

[Fortsetzung: Rheims - Die Guten, die Schlechten und die Hässlichen]

Auf dem Weg nach Rheims passierten wir beunruhigende Anzeichen der Gewalt: hier ein toter Royalistensoldat im Straßengraben, dort eine größere Anzahl seiner Kameraden wie Strauchdiebe aufgeknüpft. Wir hielten unsere Gewehre bereit und beschleunigten unseren Ritt.

Schließlich lag Rheims vor uns, eine recht ansehnliche Stadt, selbst für jemanden, der die glorreiche Toskana gewohnt war – dennoch, welche französische Stadt könnte sich schon mit Florenz, Venedig oder Mailand vergleichen, oder mit Rom, dem ewigen Rom? Aber ich schweife ab. Zu jenem Zeitpunkt war Rheims in recht seltsamen Verhältnissen, überquellend vor Flüchtlingen, und doch erstaunlich geordnet und ruhig, was an der Herrschaft eines rätselhaften Adeligen lag, der eine größere Wachtruppe befehligte, die den Ort beherrschten. Dieser Marquis galt als neutral, was meiner Meinung nach auf lange Sicht seinen Untergang bedeuten würde, ob sich nun der König oder dessen Feinde durchsetzten. Aber das war ja nun wirklich nicht unser Problem.

Wir berieten eine längere Zeit, wie wir weiter vorgehen sollten, denn wir konnten ja nicht wissen, ob der König Rheims auf seiner Flucht bereits passiert hatte. Höchstwahrscheinlich war er erst auf dem Weg dorthin, aber sicher waren wir uns nicht. Schließlich sandten wir unseren braven Jäger Oskar zur Straße nach Paris, um diese im Auge zu behalten, während wir übrigen nach Rheims einritten und uns aufteilten, um Informationen zu suchen. Wir waren dabei alle recht erfolglos – alle bis auf Jakob von Brecht, der auf ein bezauberndes französisches Fräulein namens Chloe Buchart traf, welches ihn zu einem zwergwüchsigen Weinhändler geleitete, der sich als habsburgischer Agent zu erkennen gab!

Währenddessen gab leider auch jemand anders sein wahres Ich zu erkennen: Wilhelm von Antik, den ich bisher für einen waghalsigen und recht skrupellosen, aber doch loyalen Kameraden hielt, überzeugte den als Pferdewache eingeteilten Gustav davon, ihm zwei Pferde auszuhändigen, und tauchte mit diesen im Straßengewimmel unter! Welch schändlicher Verrat!

Als wir uns wieder trafen, kam dieser Betrug natürlich schnell ans Licht. Unser gräflicher Anführer, sichtlich ungehalten, ließ seinen Ärger an der gänzlich unschuldigen Chloe aus, gegen die er sich äußerst grobe Worte herausnahm. Fürwahr, wäre er nicht mein Anführer, und so ein hervorragender Schütze und Fechter, ich hätte ihn glatt zum Duell herausfordern mögen!

Wir folgten der guten Chloe zu dem kleinen aber informativen Weinhändler, der uns offenbarte, dass der schwedische Graf Alex von Fersen, ein enger Vertrauter der französischen Königin, in der Stadt weile, unter dem Alias „Herr Radmacher“, und dass uns dieser über den Fluchtweg der Königsfamilie aufklären könne.

Gesagt, getan: wir eilten umgehend zur angegebenen Adresse, nur um dort ein Kuriositäten-geschäft und 5 grobschlächtige Glatzköpfe anzutreffen, welche uns nicht in den ersten Stock vorlassen wollten, wo Mieter einquartiert waren. Daraufhin ließen wir eine Nachricht für „Herrn Radmacher“ dort, sich mit uns am Abend im ‚Goldenen Perlhuhn’, dem besten Haus am Platze, zu treffen.

Ich ritt zur Stadt hinaus um Oskar zu holen, immerhin wurde es langsam dunkel, und der arme Kerl hatte schon Stunden auf seinem Posten ausgeharrt. Auf dem Rückritt erzählt er mir von merkwürdigen Treiben im Wald, das vermutlich auf eine Räuberbande zurückging. Besorgniserregend, denn wir konnten es uns nicht erlauben, dass uns Banditen in die Quere kamen.

Wir trafen uns wie geplant im Gasthaus mir von Fersen, der sich uns gegenüber zwar jovial und aufgeschlossen gab, mir aber gerade deswegen etwas verdächtig erschien. Zum ersten Mal in meinem Leben wünschte ich, die grunzenden Laute zu beherrschen, die in Skandinavien als Sprache galten, um die Identität des Grafen testen zu können, doch mangels entsprechender Kenntnisse blieb uns nur, ihm vorerst zu glauben... und ihn heimlich überwachen zu lassen, sobald er die Gaststätte verließ! Dies erwies sich als weise, denn der „Graf“ ritt nach unserem Treffen umgehend zur Stadt hinaus, in Richtung jenes Wäldchens, in dem Oskar rätselhaftes Treiben aufgefallen war...

Natürlich ritten wir hinterher! Wir folgten der Spur des „Grafen“ bis zu einem Waldfriedhof. Dort wies uns Oskar auf eine große Grabplatte hin und sagte, er habe beobachtet, wie am Tag ein ganzer Karren dadurch verschwunden sei, und dass es eine Luke mit Öffnungsmechanismus gäbe.

Die Luke fanden wir, den Mechanismus auch, aber ihn zu betätigen erwies sich ohne Schlüssel als schwierig. Als Mann kurzer Geduldsspanne warf der Graf einfach eine Granate in das Loch, die kurz darauf mit lautem, leicht gedämpften Knall explodierte. Anscheinend ging das Loch recht tief. Wir ließen Chloe sich an der Öffnung des Mechanismus versuchen.

Unser Wachposten gab plötzlich Alarm: Männer näherten sich! Wie es sich herausstellte, waren es drei der glatzköpfigen Schläger, die einen Mann eskortierten, den wir auf Grund ihrer Unterhaltung schnell als den wahren Alex von Fersen ausmachen konnten. Nun rief einer von uns die Gruppe an, und es entspann sich eine hitzige Diskussion in der Dunkelheit, in der von Brecht versuchte, den Grafen von den finsteren Absichten seiner Begleiter sowie von den lauteren Absichten unser Gruppe zu überzeugen.

Die keulentragenden Schläger erkannten schnell, dass sie mit Fackeln in der Hand uns Dunkelmännern gegenüber im Nachteil waren. Einer von ihnen rief: „Löscht das Licht!“, und natürlich kam ich diesem Befehl gerne nach, und löschte sein Lebenslicht mit einem gezielten Schuss aus. Da wollten meine Begleiter natürlich nicht zurückstehen, und schnell löschten sowohl Oskar als auch der Graf zwei weitere Lichter. Wir hörten von Fersen entsetzt aufschreien, dann wandte er sich zur Flucht. Durch die Nacht. In einem dichten Wald. Über schlammigen Boden. Da gab es eigentlich nur eine Reaktion: ruhig drehte ich mich zum Grafen um und bat: „Lassen Sie die Hunde los!“

Gleichzeitig rannte ich jedoch auch selbst los, denn es hätte ja sein können, dass Hundebisse den Grafen von Fersen verstimmen mochten. Natürlich kann kein Schwede es an Geschicklichkeit und Flinkheit mit einem Italiener aufnehmen, so dass ich ihn schnell einholte und zu Fall brachte – was mich in die unangenehme Lage versetzte, die blutrünstigen Hunde UNSERES Grafen mit dem Bajonett auf Distanz halten zu müssen.

Zum Glück traf bald darauf von Schönborn ein, und rief seine Hunde zurück; bedauerlicherweise war zu diesem Zeitpunkt von Fersen schon recht hysterisch und bezeichnete uns als Gesindel, was ihm einen leichten Schlag des Grafen eintrug. Ich versuchte, ihn zu beruhigen, und zu überzeugen, dass wir auf seiner Seite seien, doch von Fersen erwiderte: „Ihr seid doch nicht besser als die Banditen!“ – ein schwerer Schlag durch von Schönborn folgte, so dass die Zähne von Fersens klapperten. Zum Glück konnte Dr. Niehoffen ihm dieses Problemchen später richten.

Ach ja, Dr. Niehoffen... dieser war inzwischen zusammen mit Gustav und Chloe in die Höhle unter der Grabplatte vorgedrungen, deren Schlüssel sich bei einem der toten Schläger fand. Bedauerlicherweise endete dieser Vorstoß damit, dass Gustav als Geisel der Banditen genommen wurde...

Es folgte eine höchst konfuse und unproduktive nächtliche Unterhandlung mittels Brüllen zwischen von Schönborn und dem mysteriösen Anführer der troglodytischen Banditen. Unser Gegner drohte uns mit dem Marquis, der Nationalgarde und dem Teufel persönlich, was uns recht kalt ließ – immerhin überzeugte der Verweis auf die Nationalgarde von Fersen davon, dass er keine Königstreuen in den Banditen zu sehen hatte.

Letztlich drohte uns der Banditenhauptmann damit, Gustav zu ermorden, sofern wir nicht verschwänden. Dies freilich ließ den Geduldsfaden des eher unbeherrschten Herrn von Schönborn reißen: „Gebt unseren Mann frei, oder wir kommen runter und töten jeden Einzelnen von Euch Gesindel!“ Als dieser Forderung nicht nachgekommen wurde, schleudert der Graf seine zweite Granate in den Schacht, und stürmte dann hinterher. Die Schlacht in der Höhle begann...
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